Deus cum Nobis

by Albert

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Historische Darstellungen in Lützen Weckruf im Martzschpark

04.08.2013 20:00 Uhr

Christof MZ Web 2013Christof Hollenstein vom Verein Bellicum Montanum Landau ruft zum Aufbruch. Doch will er wiederkommen an den historischen Ort.  (BILD: MICHAEL THOMÉ)

Von VON HEIKE RIEDEL

Vier Vereine schlagen ihre Zelte auf dem einstigem Schlachtfeld im Lützener Martzschpark auf und vermitteln Geschichte zum Anfassen. Die Idee dafür wurde schon vor zwei Jahren bei einem Auftritt in Lützen am Schloss geboren.

LÜTZEN/MZ.

Schüsse hallen durch den Martzschpark, gegen 8.30 Uhr das erste Mal, gegen elf schon wieder, aber auch am Nachmittag. Sogar eine Kanone knallt. Dazwischen das Signal einer Trompete. Traditionstruppen haben das kleine Wäldchen bei Lützen erobert. „Hier das Zelt aufzuschlagen, ist schon etwas Besonderes“, sagt Peggy Hoffmann. Sie gehört zu den Frauen, die mit den Kindern zurückgeblieben sind auf der Wiese mitten im Park, während die Männer schon woanders „kämpfen“. Sie sind am Sonnabend gegen Mittag in die Kleinstadt gezogen – nicht um zu plündern wie im Dreißigjährigen Krieg. Sie wollen sich am Schloss zeigen, dorthin Historie tragen und damit zugleich den drei Paaren, die Trauungstermine haben, Schutz und Ehre angedeihen lassen.

Nun, der Anlass ihres Einzugs nach Lützen ist nicht geschichtsgetreu, dafür aber fast alles, was die Männer bei sich tragen, ihre Kleidung, die Musketen, die Messer… Und Trommler kündigen sie an. Die Kinder unter den Darstellern sind es, die sich in das Soldatenleben von einst einordnen, indem sie auf der Trommel dem Marschieren den Rhythmus geben. Hauptmann Christoph Hollenstein vom Verein Bellicum Montanum Landau ruft mit der Trompete. Und zudem gibt es Verstärkung vom Historischen Trommelzug der Stadt.

Etwa 40 Männer und Frauen sind bereits Freitagabend aus allen Himmelsrichtungen aus Deutschland zusammengekommen, um ihr Feldlager im Martzschpark aufzuschlagen. Die Idee dafür wurde schon vor zwei Jahren bei einem Auftritt in Lützen am Schloss geboren. Die Landauer haben schließlich gedrängelt, dass Dieter Heinrich vom Historischen Verein Oederan ihr Treffen auf dem historischen Boden organisiert. Freiberger Miliz und Corpitz’sche Kroaten aus Leipzig sind dabei.

Mancher hat allein für die Anreise schon 400 Kilometer zurückgelegt. Zum Beispiel Karl Schwarz aus Frankfurt/Main. Seine Anfänge als Historiendarsteller hat er vor 15 Jahren bei der Historiengruppe Bad Dürrenberg gemacht. Weil er dorthin mit seiner Frau zurückkehren möchte, wenn beide nicht mehr arbeiten müssen, hält er sich das „Rückzugsgebiet“ offen.

Schwarz arbeitet in einem Pflegeheim, neben ihm sitzt ein Wirtschaftsingenieur, ein Kfz-Mechaniker, ein Tischler, ein Autobauer, ein Bauinstrukteur, ein Umweltingenieur, ein Maurer… – ganz unterschiedlich sieht der Alltag der Männer und Frauen aus. Doch in einem sind sie sich gleich: Sie suchen einen Ausgleich zum beruflichen Leben, fernab vom Stress, ohne Fernsehen und Computer. Sie besinnen sich auf die einfache Lebensweise zurück, die der Natur nahe ist. Die Darstellungen zum Dreißigjährigen Krieg bieten das und sie sind historische Bildung. Dieter Heinrich hat Kopien von neuen Dokumenten mit, die er in Archiven aufgestöbert hat. Unter anderem eine Kriegsordnung von 1621. „Schon damals haben die Soldaten nicht einfach das Lager verlassen dürfen“, hat er darin bestätigt gefunden.

Die Männer tauschen ihr Wissen aus. Sie genießen auch das Bier, das Braumeister Christof Hollenstein aus Landau mitgebracht hat, während die Frauen über dem offenen Feuer Suppe kochen und Kinder das Holz dafür suchen. Und alle freuen sich, wenn sich Fremde zu ihnen gesellen, gucken, fragen, miterleben. Bereitwillig führen die Soldaten Waffen vor, aber auch das Handwerk, das im Feldlager beherrscht werden muss. Sie plaudern über Geschichte und aus dem Nähkästchen des Vereinslebens.

Für Familie Huhmann wird der Sonnabend so zu einem besonderen Erlebnis. Denn zu dem, was sie in der Gustav-Adolf-Gedenkstätte über die Lützener Schlacht vom 6. November 1632 erfahren hat, bekommt sie noch eine lebendige Anschauung von Kriegsgerät und Feldlager hinzu. Und für Sohn Paul (10) löst das vielleicht gleichsam das Geschichtsinteresse aus, wie es für Vater Sven die Schwedensteine taten, die in der brandenburgischen Heimat zu finden sind. An das Wasa-Schiff in Stockholm erinnert sich der Junge jedenfalls noch sehr lebendig.

 


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